Kulturpatenschaft Martin-Schaffner-Schule

Oktober 2023

Freund und Feind

Dieses Kulturpaten-Projekt war inspiriert von Jorge Bucays Märchen `Wie der König seinen Feind verlor`. Nach dem Lesen und gemeinsamen Gespräch über die Inhalte des Märchens durften die Kinder frei entscheiden, welche Rolle sie aus dem Buch visualisieren wollten.

Hierzu gab es kleine Hilfsmittel in der Technikvermittlung: Spachteltechnik, Malerei, Zeichnung (Mixed Media). Der Fokus lag auf der freien Gestaltung und der persönlichen Handschrift des Kindes.

Auf den Bildern sind vorrangig die Darstellungen des Königs, der Hauptfigur zu deuten, sowie des Magiers, der zweiten Hauptfigur.

Weiterhin ging es um die kindliche Reflexion, wie ich als Kind mit Freund- und Feindschaften umgehe. Daher entstanden ein paar sehr positive Eigendarstellungen, die über die Protagonisten hinausgingen.

Grundsätzlich haben wir uns in diesem Projekt mit unserem gemeinsamen Umgang mit Freund und Feind beschäftigt und malerisch umgesetzt.

Als Kulturpatin an der Schaffner Grundschule

Während meiner Arbeit als Kulturpatin sehen die Kinder mich als einen Menschen an, der von außen kommt und gerade kein Wissen über übliche Lernerfolge oder den üblichen Status des Kindes in der Klasse hat.

Auch stehe ich in keiner gewachsenen Beziehung zum Kind wie die Pädagogin, die tagtäglich mit einem Erziehungsauftrag beschäftigt ist.

In der Regel erfahre ich erst im gemeinsamen Gestaltungsprozess, welche kleine Persönlichkeit und mit welchem Verhaltensmuster sie gerade vor mir sitzt.

Es ist eine große Chance für die Kinder, denen ich begegne, in der Zusammenarbeit mit einer “Nichtwissenden” sich ganz neu präsentieren zu können und zu lernen. Das ist großartig. So kann jedes Kind ganz individuell neue kreative Aufgaben angehen, quasi einen Neustart hinlegen, und manchmal sogar seine Lehrer*innen durch eine während der Arbeit neu präsentierte und positive charakterliche Seite beeindrucken.

Einige Kinder präsentieren sich geradezu in Höchstform, um zu beeindrucken!

Ich bemühe mich gemeinsam mit der Pädagogin, eine ungezwungene und offene Atmosphäre zu schaffen, in der natürlich auch Regeln gelten. Künstlerisches und kreatives Arbeiten funktioniert nicht im Lärm, mit Egoismus oder mit Unachtsamkeit im Umgang mit dem Material. Das lernen sie schnell.

Ich sehe meine Arbeit als Botschafterin kultureller Bildung und als Inspiration für die Kinder, die sonst kaum die Möglichkeit erhalten, in den Kontakt mit Künstlern zu kommen, da sonst der Fokus in der Familie auf anderen Themen liegt.

Sie werden von mir ermutigt, die Aufgabenstellung etwas freier und somit auch experimenteller anzugehen und eigene Lösungswege zu suchen und im Idealfall auch zu finden. Ein “Falsch” gibt es nicht, oder eher weniger.

“Versuche eine Entscheidung zu treffen.” Wie zum Beispiel: “ Dein Rot, für das Du Dich entscheidest ist das richtige Rot und wird von mir nicht bewertet. Du brauchst es nicht begründen, da Du es für Deine Gestaltung ausgewählt hast.”

Denn darum geht es im künstlerischen Arbeitsprozess: Die richtige Entscheidung zu treffen und auch mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen umgehen zu können. Das versuche ich den Kindern zu vermitteln.

Mein Ziel in der Zusammenarbeit mit den Kindern ist, möglichst 25 unterschiedliche Ergebnisse trotz einer zuvor definierten Aufgabenstellung zu erhalten. Ihren individuellen Ausdruck zuzulassen und sie auf diesem Prozess zu begleiten. Dazu gehört für mich, ihre größtmögliche Fantasie anzuregen und sie in ihrem eigenständigen Tun mit ihrer kindlichen Ästhetik zu fördern.

Dann sind sie glücklich und wachsen.

Auch Inklusionskinder haben während unserer eher offenen Arbeitsphasen erstaunliche Leistungen offenbart.

All diese Erfahrungen, die Kinder im Schulunterricht machen können, sind natürlich nur möglich, wenn ich das Vertrauen der begleitenden Pädagogin habe und sie mit mir zusammenarbeitet, was glücklicherweise an der Schaffner Grundschule immer der Fall ist.

Dafür bin ich sehr dankbar und ich schöpfe aus dem guten Miteinander mit den Pädagog*innen immer wieder neue Ideen.

Andrea Tiebel-Quast

Bildende Künstlerin

Schemmerhofen, 26.04.23

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